Einheitliches Schmerzensgeld: Risiken bei Dauerschäden & schnellen Vergleichen
Ratgeber

Einheitliches Schmerzensgeld: Risiken bei Dauerschäden & schnellen Vergleichen

Warum bei Spätfolgen oft nichts mehr gezahlt wird und wie ein Spezialist hilft

24. Januar 2025
12 Min. Lesezeit

Inhaltsverzeichnis

Was ist das einheitliche Schmerzensgeld? (Definition)

In Deutschland gilt im Schadensersatzrecht der Grundsatz des einheitlichen Schmerzensgeldes. Das bedeutet konkret: Mit einer einzigen Zahlung sollen alle immateriellen Schäden abgegolten werden. Dies umfasst:

  • Vergangene Schmerzen
  • Gegenwärtige Beeinträchtigungen
  • Vorhersehbare zukünftige Schäden (Dauerschäden)

Das Problem für Geschädigte

Viele Unfallopfer wissen nicht, dass mit der Annahme einer solchen Zahlung (oft verbunden mit einer Abfindungserklärung) die Akte geschlossen wird. Ist ein Vergleich geschlossen oder ein Urteil gesprochen, ist alles abgegolten, was zu diesem Zeitpunkt medizinisch erkennbar war.

Das Risiko: Treten Jahre später Spätfolgen ein, die zum Zeitpunkt der Einigung bereits als möglich (wenn auch unwahrscheinlich) galten, gibt es kein weiteres Geld.

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Experten-Hinweis: Vgl. dazu meinen Aufsatz „Einheitliches Schmerzensgeld – Fluch oder Segen" in VersR 2022, 282.


Die Falle: Warum Dauerschäden unterschätzt werden

Nach der ersten Heilung von Frakturen an Armen, Beinen oder Gelenken atmen viele Patienten auf. Doch genau hier lauert die Gefahr. Dauerschäden und Spätschäden werden medizinisch oft als Risiko gesehen, juristisch aber häufig ignoriert.

Warum werden diese Schäden ignoriert?

Viele Anwälte und Gerichte scheuen den Aufwand, komplexe Zukunftsprognosen zu stellen. Stattdessen werden diese Risiken oft nur mit einem minimalen Zuschlag auf das Schmerzensgeld pauschal abgegolten.

Das ist für den Geschädigten fatal. Solche Schäden dürfen allenfalls durch einen beachtlichen Zuschlag oder einen expliziten Vorbehalt im Vergleichstext geregelt werden – niemals durch einen Standardbetrag.

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Lese-Tipp: Vgl. dazu meinen Aufsatz „Bewertung von Dauerschäden bei der Bemessung des Schmerzensgeldes" in VersR 2022, 921.


Typische Spätschäden nach Unfällen

Eine KI oder ein Versicherungsrechner sieht oft nur die Diagnose "Bruch". Ein Spezialist sieht die Jahre danach. Hier sind die häufigsten Spätfolgen, die im ersten Moment übersehen werden:

1. Bei Knochenbrüchen & Gelenken

  • Arthrose: Tritt oft erst nach 5–15 Jahren auf.
  • Gelenkersatz: Notwendigkeit einer künstlichen Hüfte oder Knie-TEP im Alter.
  • Wetterfühligkeit: Chronische Schmerzen bei Wetterwechsel.

2. Bei Weichteilverletzungen

  • Nervenschäden: Dauerhaftes Taubheitsgefühl oder Kribbeln.
  • Chronische Schmerzsyndrome: Wenn der Schmerz ein eigenes Krankheitsbild wird.
  • Muskelschwäche: Atrophie durch Schonhaltung.

3. Bei Wirbelsäulenverletzungen

  • Bandscheibenvorfälle: Als Spätfolge der Instabilität.
  • Versteifungsoperationen: Jahre nach dem Unfall notwendig.

Warum schnelle Vergleiche gefährlich sind

Das Motiv der Gegenseite (und vieler Anwälte)

Sobald neben dem „Blechschaden" ein Körperschaden vorliegt, wird der Fall komplex. Viele Rechtsanwälte drängen auf einen schnellen Vergleich.

  • Gefahr für Sie: Weniger Arbeit für den Anwalt, schnelle Gebührenabrechnung.
  • Gefahr: Mit der Unterschrift verzichten Sie auf alle zukünftigen Ansprüche.

Wann ist ein schneller Vergleich okay?

Bei leichten Verletzungen ohne Dauerschaden-Risiko ist eine schnelle Abwicklung sinnvoll, z.B. bei:

  • Leichtem HWS-Schleudertrauma (Grad 1)
  • Hautabschürfungen & Prellungen
  • Einfachen Blutergüssen

Wann Sie vorsichtig sein müssen

Bei schweren Verletzungen (Frakturen, OPs, lange Immobilität) dürfen Sie sich nicht drängen lassen. Hier ist ein Schmerzensgeldspezialist gefragt, der die Zukunft absichert.


Was der Spezialist (Schmerzensgeldjaeger) anders macht

Ein spezialisierter Anwalt nutzt Kriterien für die Bemessung, die Standard-Tabellen ignorieren. Das Ziel: Den wahren Verlust an Lebensqualität abbilden.

1. Detaillierte Schmerz-Analyse

Wir beschreiben nicht die Diagnose, sondern die Auswirkung: Schmerzen bei konkreten Verrichtungen (Heben, Bücken) oder Nachtschlafstörungen.

2. Die „vergessenen" Belastungen

  • Zeitverlust: Wöchentliche Physiotherapie über Jahre ist gestohlene Lebenszeit.
  • Fahrtkosten: Die summieren sich über die Jahre massiv.
  • Lebensfreude: Der BGH hat die Einbuße an Lebensfreude jüngst als besonderes Bemessungskriterium bestätigt.

3. Tabu-Themen ansprechen

Es wird selten geltend gemacht, ist aber relevant: Wenn ein Verletzter im Krankenhaus (z.B. im Zweibettzimmer) oder durch Verletzungen auf sexuelle Betätigung verzichten muss, erhöht dies den Anspruch. Als Spezialist mache ich hier deutlich höhere Beträge geltend als üblich.

4. Erwerbs- und Haushaltsführungsschaden

Besonders bei Dauerschäden, die zur Berufsunfähigkeit führen oder die Hausarbeit behindern, geht es um Existenzsicherung. Diese Berechnungen sind komplex und gehören nur in die Hände von Experten.


Fazit: Vertrauen Sie bei Dauerschäden dem Experten

Glücklicherweise führen nicht alle Unfälle zu Arbeitslosigkeit oder schweren Behinderungen. Aber wenn das Risiko besteht, ist das einheitliche Schmerzensgeld ohne anwaltliche Absicherung eine Falle.

Vertrauen Sie einem Schmerzensgeldjaeger, der nicht nur die Akte, sondern Ihr Leben im Blick hat.

Häufig gestellte Fragen

In der Regel nein. Das 'einheitliche Schmerzensgeld' gilt als abschließend. Eine Ausnahme besteht nur, wenn völlig unvorhersehbare Folgen eintreten, mit denen medizinisch niemand rechnen konnte.

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Rechtsanwalt Lothar Jaeger

Über den Autor

Rechtsanwalt • Ehem. Vors. Richter am OLG Köln a.D.

Lothar Jaeger ist ehemaliger Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Köln und einer der führenden Experten für Schmerzensgeld in Deutschland. Er ist Herausgeber des Standardwerks "Jaeger, Schmerzensgeld".

30+ Jahre Erfahrung
Fachbuchautor
Spezialist für Schmerzensgeld
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